Philosophiekreis

Wann: immer mittwochs, 19:30 Uhr, ab 6. Juni 2018

Wo: KiKi-Zimmer, An der Johanneskirche 1

Sebastian Stephan

se.phan@posteo.de

Die Philosophie ist ein Nachdenken über solches, das wir gemeinhin als selbstverständlich hinnehmen. Dieses Nachdenken führt dazu zu erkennen, wie das Selbstverständliche schwer zu verstehen und verwunderlich ist (ja vielleicht eben darum sogar wunderbar und ein Wunder).

Beispielsweise gehen wir selbstverständlich davon aus, dass der Schnitt in den Finger die Ursache des Schmerzes ist, den der Betroffene an der Schnittstelle verspürt. Doch die Schmerzempfindung scheint etwas anderes zu sein, als es die beschädigten Körperzellen am Finger sind. Auch die neuronale Reizung und deren Verarbeitung im Gehirn scheinen bloß eine bestimmte Konstellation von Atomen und deren elektrisch­chemisches Verhalten, nicht der Bewusstseinsinhalt Schmerz. Wie kann dann der Schnitt in den Finger den Schmerz hervorrufen?

Das philosophische Nachdenken weckt Zweifel, Zweifel am üblicherweise selbstverständlich Angenommenen (z.B. den Zweifel, dass der Schmerz tatsächlich von der Verletzung hervorgerufen wird). Der Zweifel gibt sich zunächst als ein Feind des Glaubens. Andererseits wird mit ihm in letzter philosophischer Konsequenz deutlich, wie unser „Wissen“ auf Glauben beruht. Zu meinen, man wisse gar nichts, und deshalb an nichts zu glauben, ist hierbei keine Option, denn „ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist ein Selbstwiderspruch und überhaupt keine Wahrheitsannahmen zu machen, nicht einmal tautologische, wie die, dass Pfarrer Müller entweder Fliege trägt oder nicht, oder transzendentale, wie die, dass man selbst existiert und ein Bewusstsein besitzt, ist uns praktisch unmöglich – versuchen Sie es einmal!

Als studierter Philosoph möchte ich mit allen, die Lust haben, sich auf das Abenteuer einzulassen, über philosophische Probleme nachdenken, die für den christlichen Glauben relevant sind. Dabei kann, muss es aber nicht direkt um Glaubensvorstellungen des Christentums gehen. Zudem ist es nicht nötig, dem christlichen oder sonst einem religiösen Glauben anzuhängen, um über Themen nachzudenken, die auch ein genaueres Verständnis des christlichen Glaubens betreffen, wie z.B. über den freien Willen, die Interaktion zwischen Leib und Seele oder die Realität außerhalb der Vorstellung von der Realität.

Schöne Grüße, Sebastian Stephan